Donnerstag, Februar 23, 2017

Theorie und praxis

Gestern habe ich aus gegebenem anlass (ein kind ist in l.s skikurs verloren gegangen, d.h. nach einem toilettengang einfach verschwunden gewesen) gelernt, wie ausgereift das notfallsystem der skischule hier ist.
Sobald ein lehrer ein kind vermisst, schickt er eine sms an die zentrale. Die wird an alle skilehrer und das liftpersonal weitergeleitet. Zusätzlich wird die pistenrettung alarmiert. Ausserdem wird die liftkarte des kindes geflagged, d.h. sobald es an irgendeinem lesegerät auftaucht, gibt es alarm und die liftstation hat das kind. Wer das kind findet (erkennbar an einem grossen aufkleber mit namen, skilehrernamen, telefonnummer der eltern und unterkunft), meldet das der zentrale und liefert es ab.

Wenn das kind allerdings von einem skilehrer gegen dieses protokoll allein auf die talabfahrt geschickt wird ohne jede meldung, dann geht es eine zeitlang, bis die hölle für die eltern und die skilehrerin vorbei ist.

Mittwoch, Februar 22, 2017

Skiferien-Erkenntnisse

Skidepot am Lift ist sein Geld drölfzigmal wert. Jeden Morgen und jeden Abend, wenn wir in Skischuhen und mit FREIEN Händen den Hügel vom Haus zur Dorfbahn runter bzw rauflaufen und uns in die volle Bahn quetschen, feiere ich diese Ausgabe :-).

Mit grösseren Kindern ist es leichter. Ich kontrolliere nur noch kurz vor dem Zumachen der Schuhe auf Socken- oder Hosenfalten, den Rest kriegen sie ganz allein hin. Und trotz ausgepowert gab es noch kein einziges Mal Gemotze ob des wirklich steilen Fusswegs nach oben zurück.

Ach ja: auch Skischule ist mit grösseren Kindern viel einfacher. Es gibt kein Geheule, weil sie "bleiben müssen", sondern sie haben Spass mit jungen, coolen Skilehrerinnen (in unserem Fall, wobei  die Skilehrer natürlich genauso cool sind), sie knüpfen auch mal lockere Freundschaften für eine Woche. (es ist so lustig: Little L. redet mit Kindern, deren Dialekt er nicht einsortieren kann bzw als nicht als schweizerisch erkennt, so gestelzt hochdeutsch, viel preissischer als mit uns) Sie gehen sogar (abhängig vom Essenplan) manchmal lieber mit den Skischulkindern Essen als mit uns, was praktisch ist, weil wir nicht zweimal zu einer festen Zeit an einem festen Ort sein müssen und mal woanders essen können.

Ach ja: ein Tipp für die Miteltern: es wäre so super, wenn Sie einfach alle Ihre Kinder vor dem Skikurs nochmal auf die Toilette schicken könnten. Ab einem gewissen Alter schafft man schon zwei Stunden ohne Pinkelpause, wenn man sozusagen restentleert angefangen hat. Aber klar, es macht richtig viel Spass entweder alle 5 Minuten 9 andere Kinder warten zu lassen, weil einer auf den Topf muss, oder aber mit einem heulenden Kind die Eltern herzutelefonieren, weil das Kind nicht Bescheid gesagt hat, dass es muss und dann halt in die Hosen gemacht hat.

Österreich ist gar nicht so viel billiger, wenn überhaupt, als die Schweiz, wenigstens was die Unterkunft (Ferienwohnung) und den Skipass angeht. Was aber echt viel weniger kostet, ist die ganze Gastronomie. So lassen wir es uns essenstechnisch gut gehen auf der Piste und auch der Heimweg geht leichter nach einem Kaffee Baileys oder einem Aperol Spritz vor der letzten Abfahrt oder unten an der Talstation.

Ferienwohnung ist für mich der perfekte Urlaub. Selberkochen ist nun echt keine Hexerei, wenn man sich auf Nudeln mit Sosse. Spiegelei und arme Ritter oder aber Brotzeit, weil man ja mittags warm isst, beschränkt. Die Semmeln fürs Frühstück werden vom Lieferdienst der Bäckerei an die Haustür gebracht, auch das ist money well spent.

Den seltsamsten Moment heute erlebte ich bei der Gondelfahrt am Morgen, da stand vor uns eine Familie mit drei Kindern, zwei Skifahrkinder, der Vater in Skimontur, die Mutter mit dem kleinsten Kind auf dem Arm "nur" in Winterklamotten. Ich dachte erst, das Kleine wäre nur müde oder mittagsschlafbereit, weil es wie ein nasser Sack über der Mutterschulter hing, dann sah ich erst die verkrusteten Pustel im Gesicht, dann die glasigen Augen, dann die nässenden, zT eitrigen, zum Teil frisch flüssigkeitsgefüllten Windpockenpusteln auf dem Rest des Kindes. Ich war so perplex, wie man sich mit einem offensichtlich (nicht nur in Pustelhinsicht) echt kranken und noch dazu hochansteckenden Kind in eine Menschenmenge quetschen kann, die von der Dichte her dem morgendlichen Berufsverkehr in der U-Bahn einer mittleren Grossstadt entspricht, dass ich gar nichts sagen konnte. Ich hielt trotz strenger Blicke des Liftpersonals, die ja gerne alle Gondeln ganz voll machen, den Hübschen und die Jungs davon ab, zu dem Pustelkind miteinzusteigen; wir sind zwar entweder geimpft oder hatten sie schon oder beides, aber man muss ja nix riskieren. Und vermutlich hätte ich auf der Fahrt dann doch die Klappe nicht halten können, sondern was gesagt, und dann hätte sich rausgestellt, dass das Kleine keine aktiven Windpocken hat, sondern ..... eine unansteckende Tränendrüsenüberfunktion und frühkindliche Akne oder irgendwie sowas und das wäre ja dann auch eine komische Situation gewesen.



Dienstag, Februar 21, 2017

Little L. says

In den Wochen vor den Skiferien: "Boah, ich möchte eigentlich nicht in den Skikurs, da ist es immer entweder langweilig oder anstrengend. Ich würde lieber mit Euch fahren, da muss ich nicht dauernd Kurven machen."


Nach dem ersten Tag Skikurs dieses Jahr: "Mami, sei nicht traurig, aber ich muss dir was sagen: mit der Skilehrerin fahren macht schon echt mehr Spass als mit Dir."

Zum Thema "andere Kinder im Kurs und wie er die so findet": "Schade, dass meine Brille nicht so verspiegelt ist wie Deine. Bei mir sieht man meine Augen durch und erkennt am Rollen, wenn mich jemand nervt."

Zum Thema Wintersport (Biathlon fasziniert ihn, seitdem ich ihm mal erzählt habe, dass er jetzt ohne die Betablocker auch da wieder wettkampfmässig mitmachen könnte, weil er nicht mehr gedopt wäre): "Ich finde Biathlon schon super, aber das Langlaufen, das schaut mir fad aus. Ich fände es ja besser, wenn man Abfahrtsrennen und Schiessen kombinieren könnte. Oder Slalom und Schiessen. Oder gleichzeitig." Wir planen, das "Schweizer Kombination" zu nennen. Auszuführen mit dem Sturmgewehr. Vielleicht auch mit Skispringen kombinierbar.

Montag, Februar 20, 2017

Down memory lane

Gestern musste ich dreimal an meinen allerersten chef denken. 

Zum ersten mal, als der hübsche und ich die kinder bei der skischule abgegeben hatten und auf den nächsthöheren gipfel hinauffuhren und gemeinsam beschlossen, die schwarzen pisten dort nicht als allererstes runterzufahren. Mein chef hatte damals eine gruppe jungchemiker in seine wohnung im wallis eingeladen und uns zum skifahren im quatre vallees mitgenommen. Er fragte den kenntnisstand vorher ab und schleppte uns dann als allererstes auf den mont gele hinauf. Auf der, wie er es nannte, braunen Piste (weil man da vor angst die hosen voll hat) zeigte sich dann, wie wichtig der kulturelle Background zur Einschätzung von Aussagen ist. Der Chef hatte uns nämlich noch daheim nach unseren Skifähigkeiten gefragt. Die europäischen Kollegen meinten alle so mehr oder wenige "Joah, geht eigentlich, ich habe als Kind angefangen und gehe seitdem jedes Jahr, ich bin jetzt nicht super, aber ich fahr gern und komm den Berg runter. " Der amerikanische Kollege aus Alabama  meinte "I love skiing. I have been living in Wallis for a couple of years and I can do any slope you name." Es war ein interessanter Anblick, wie bleich ein erwachsener Mann werden kann und wie lang der Chef brauchte, um den Kollegen in einem Stück die Piste mehr oder weniger runter zu tragen.

Zum zweiten Mal dann beim Mittagessen und beim Kaffeetrinken, wo ich mir die ganze Zeit dachte: Maaaaaaan, wir haben den teuren Skipass gezahlt, die Kinder sind im Skikurs, wir müssen fahren, fahren, fahren, Pausen braucht kein Mensch. Dann dachte ich dran, wie stressig ich damals meinen Chef fand, der uns "junge Leute" (er war damals 60 oder so) augenrollend zum Mittagessen absetzte und dann eine Runde ohne uns Wussis fahren ging, ein Käsebrot im Sessellift musste reichen. Dann gings wieder, wobei man ja schon nicht ewig in eine leere Kaffeetasse starren muss, die Gegend und die frische Luft erlebt man auch während der Fahrt, nech?

Und zum dritten Mal abends, als alle müden Oberschenkel mit Lavendelöl oder Muskelwohlgel eingerieben wurden. Mein Chef war nämlich vor seiner Zeit als mein Chef (eine recht lange Zeit vorher) der Chef der Voltaren-Wirkstoffproduktion gewesen. Zum Abschied hat er (oder er hat es einfach mitgenommen, da bin ich mir nicht ganz sicher) das Rückstellmuster des letzten Batches Diclofenac, der unter seiner Aufsicht produziert wurde, geschenkt bekommen (ich persönlich glaube, er hat es einfach mitgenommen, diese Rückstellmuster werden nämlich eigentlich gehütet wie Augäpfel, und dienen als Referenz, wenn irgendwelche Behördenanfragen oder Kundenbeschwerden oder so etwas kommen). Dieses Rückstellmuster, eine braune Glasflasche mit ca 250g Wirkstoff drin, hat er unter der Spüle in seiner Ferienwohnung im Skigebiet gelagert. Am ersten Abend, als die Jungmannschaft erschöpft und schweigend im Käsefondue rührte, meinte er "So haltet ihr mir keine Woche durch, das geht nicht. Ihr nehmt jetzt alle Voltaren, ich habe das optimiert: ein Mokkalöffel voll, aufgeschlämmt in einem Schnapsglas voll Wasser und ihr seid morgen wie neu." Und naiv (und erschöpft) wie wir waren,  haben wir brav alle unser Stamperl weisse Brühe runtergetrunken, uns dann beim Rummy abzocken lassen und ja, am nächsten Morgen waren wir alle wieder topfit und nix hat wehgetan. Mit meinem heutigen Wissen schreit mein innerer Compliance und Drug Safety Officer natürlich Zeter und Mordio bei dem Gedanken, weil "unter der Spüle im Ferienhaus" sicher kein kontrollierter Lagerraum mit Temperaturmonitoring ist und weil nach Ablauf der Retest-Periode sicher keine Vollanalyse für eine erneute Freigabe gemacht wurde, ganz abgesehen davon, dass auch mein beschränktes galenisches Wissen dafür ausreicht, dass "ein Mokkalöffel pro Schnapsglas" nicht direkt eine validierte Dosiermethode ist. Geschadet hat es uns nicht und ehrlich gesagt, habe ich nie wieder so einen grossartigen Chef wie diesen gehabt.

Sonntag, Februar 19, 2017

Eigentlich

Alles super, traumwetter, traumschnee, traumgesellschaft beim fahren, einigkeit, dass uns die senkrechten schwarzen pisten zu steil sind (mal sehn, wir sind ja noch ein bisschen hier), kinder haben tolle skilehrerinnen erwischt und sind glücklich in ihren kursen.
Das morton neurom verhält sich beim fahren okay, beim skischuhe ausziehen habe ich eine halbe stunde gejault, aber kein vergleich zu letztem jahr.
Alles so super, dass ich es vielleicht ein bisschen übertrieben habe und als lohn kopfschmerzen aus der hölle mit schüttelfrost und übelkeit bekam. Gsd die von der sorte, die auf ibuprofen sofort ansprechen.

Samstag, Februar 18, 2017

Skurril

Gestern wären wir vermutlich fast in den Mautknast gekommen, der Hübsche hat nämlich nach der Durchfahrt durch den drölfzigtausend Kilometer langen Arlbergtunnel erst ganz, ganz knapp vor der Schranke realisiert, dass das eine echte Mautstation ist. Sein komplizenhaftes "Aber wir müssen ja sicher nix zahlen, wir haben ja ein Pickerl" war sehr niedlich, aber echt oskarreif war die trockene Antwort der Mautfrau: "Ja, das Pickerl ist für die Strasse, jetzt zahlen Sie für den Tunnel".  Ich schwör, vor dem Tunnel stand NIX von zahlungspflichtig, sonst hätte ich nicht erst auf den Rücksitz klettern müssen auf der Suche nach dem Geldbeutel.

Dann, weiter auf der Inntal(?)-Autobahn, leuchteten hoch oben über der Strasse mitten im Nichts auf einmal eine Burg und eine Kirche. Ich meinte im Spass: "Guck mal, da oben schlafen wir dann."
Und dann kam unsere Ausfahrt, dann die Abzweigung, dann wurde die Strasse einspurig, dann kam der Wald, und es ging in Serpentinen nach oben und dann, zack, waren wir bei Burg und Kirche. Little L. dachte "Gell, Mami, ein Kloster, das ist sowas wie eine Kirche. Ist das nicht megaunbequem zum Schlafen?"

War es dann natürlich nicht, wir kamen sogar noch rechtzeitig an, um im Speisesaal was zu essen zu bekommen (Schnitzel und Backhendl, so lecker!), die Jungs waren angemessen beindruckt von dem Habit der Barmherzigen Schwestern, nicht ganz so von dem Schild am Eingang zum Speisesaal.

Geschlafen haben wir alle zusammen unterirdisch schlecht, aber das war ja zu erwarten: zu viert in einem Raum, die Betten unbekannt (Eve versaut einen halt schon für alle anderen Matratzen), alle erkältet und dementsprechend schnarchend, nun ja.
Am Morgen haben wir dann noch einen kleinen Spaziergang gemacht, dann ging es wieder runter ins Tal und der Wechsel von dem verwunschenen Gasthof in der Mitte von Nix zum Skizirkus von Serfaus (wir waren irgendwie noch nie in einem so .... riesigen Skigebiet, oder mit so vielen Leuten (wir haben neben den Nachbarn, mit denen wir eh da sind, noch drei andere Familien von daheim getroffen) war schon eine Hausnummer.
Aber: Es gibt Schnee, wir haben direkt in den sauren Apfel gebissen und für 6 Tage Skipass und Kinderskikurs bezahlt, wir sind die ersten Abfahrten runtergesaust, die Ferienwohnung ist super, wir  haben den Bäcker für die frischen Semmeln morgen zum Frühstück gefunden (überhaupt: ich kann "Semmeln" sagen und kriegen), alles wunderbar hier.

Bilder gibt's leider erst daheim wieder, weil die Uploadgeschwindigkeit so ist, dass .. ach. Sad. True story.

Freitag, Februar 17, 2017

Bei Gott

Wir fahren ja dieses Jahr zum ersten Mal seit Urzeiten wieder anch Österreich zum Skifahren (aus verschiedenen Gründen, die hier nichts zur Sache tun) und zum allerersten Mal mit Freunden von hier. Also, wir werde am gleichen Ort sein und unsere Kinder ims selben Skikurs (vermutlich hoffentlich), aber nicht in der gleichen Wohnung, das wäre ein bisschen arg viel.
Unsere Freunde fahren da regelmässig hin und haben die Anreise optimiert und dankenswerterweise ihr Wissen mit uns geteilt (mein Kollege hat mir gestern noch eine Art kulinarischen Pistenplan gezeichnet, wo wir mit maximalem Fahrspass den besten Kaiserschmarrn mit dem besten Schnitzel und dem besten Kaffeekuchenkombiangebot verbinden können und so durchs Dorf zurücklaufen, dass wir direkt am besten Apresski-Laden vorbeikommen und dann noch im besten Restaurant für den Abend reservieren können. Ich habe den Eindruck, wir sind die letzten Menschen auf Erden, die noch nicht in Serfaus waren).
Und so werden wir uns nicht am Feriensamstag in den Bettenwechselstau stellen, sondern schon am Freitag vorher einen Grossteil der Strecke fahren und kurz vor Serfaus übernachten. Im gleichen Hotel haben wir kein Zimmer mehr bekommen, weil "Wir vermieten nur übers Wochenende"; was zwar nicht stimmt, weil unsere Freunde da auch nur für eine Nacht sind, aber ich streite ja nicht mit jedem am Telefon. Also habe ich bei Booking.com geschaut, was ich da noch so finde und das Angebot war im Sommer dann schon nur noch so mittelumfangreich. Man hätte Gipfelhütten wür 30 Leute mieten können, Appartements direkt an der Piste, aber ein normals Hotelzimmer: eher weniger. Ein einziges Hotel gab es in dem Ort noch, es sah auf der Karte ein bisschen ausserhalb aus, aber was solls: wir müssen da parken, schlafen und frühstücken. Die Bewertungen waren gut, teuer war es nicht, also, zack, gebucht.
Als ich dem Hübschen dann mein Schnäppchen zeigen wollte, rief ich die Homepage auf .... und .... ja. Es sieht so aus, als ob wir in einem Nonnenkloster oder einer einem Nonnenkloster angeschlossenen Herberge übernachten würden. Man kann da auch spirituelle Einkehr machen. Ich schwor dem Hübschen Stein und Bein, dass das bei Booking.com nicht erkennbar gewesen wäre (Ehrlich, die in den Bewertungen mehrfach als "grossartig" gelobte Schwester Barbara hielt ich ehrlich gesagt für einen Nachtisch...), und nun ja, es gibt nun mal keine andere (vernünftige) Herberge da in der Nähe (pun intended).
Die Kinder sind sehr gespannt (sie erwarten so etwas "Name der Rose"-artiges), ich auch, vermutlich ist es aber dann doch recht unspektakulär. Spektakulär wird höchstens die Anreise, die nur über ein Winzlingsdorf möglich ist und es soll ja nochmal ordentlich schneien. Halleluja.